Über das Projekt

DIE IDEE  

Alles begann mit einem Geschichtsseminar an der TU Chemnitz im Wintersemester 2012/13. Einige Studierende der Europastudien und Geschichte befassten sich intensiv mit der Repressionsgeschichte in Chemnitz. Seitdem hat sie dieses Thema und die bisher mangelhafte Aufarbeitung im städtischen Kontext nicht mehr losgelassen. Archive wurden durchforstet, zahlreiche Dokumente analysiert und ergreifende Zeitzeugengespräche geführt. Es entstanden Bachelor- und Masterarbeiten sowie speziell konzipierte Führungen, die im Frühjahr 2014 interessierte Studierende in das inzwischen leerstehende Gefängnis führten und über dessen Geschichte aufklärten. Aufgrund der großen Nachfrage und positiven Rückmeldungen ließ ein weiteres Projekt nicht lange auf sich warten.

DER ORT

Das 1886 erbaute Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz diente zur Zeit des nationalsozialistischen Terrors sowie während der sowjetischen Besatzungszeit und in der DDR als Ort der Unterdrückung und Entrechtung.

Von hier aus gelangten zur NS- und SBZ-Zeit zahlreiche politische Oppositionelle und Systemkritiker in Konzentrationslager oder Speziallager unter jeweils anderen politischen Vorzeichen. Das gesamtdeutsche Alleinstellungsmerkmal des Gefängnisses ist dessen Bedeutung hinsichtlich des Häftlingsfreikaufs. Dabei wurden rund 33.000 politische Häftlinge von der Bundesrepublik aus der DDR freigekauft. Fast alle von ihnen wurden in Karl-Marx-Stadt zusammengeführt und von dort nach Gießen in das Notaufnahmelager gebracht.

Die ungewisse Nachnutzung des Gefängnisses sowie der 25. Jahrestag der Deutschen Einheit sollen zum Anlass genommen werden, auf die historische Bedeutung des Kaßberg-Gefängnisses als Gedenkort hinzuweisen. Daraus entstand die Idee der Projekttage „Tage des offenen Tors“.

DIE ZIELE

Die Ziele des Projektes sind: Informieren – Gedenken – Diskutieren.

Informieren: Primär geht es während der Projekttage darum zu informieren und die Grundlage für eine objektive Meinungsbildung zu schaffen. Dazu wird über die Repressionsgeschichte des Gefängnisses informiert. Mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie mit Hilfe von Zeitzeugenberichten wird das Gefängnis als historischer Ort vorgestellt.

Gedenken: Es wird ein Raum geschaffen zum Erinnern und Gedenken der Menschen, die das Gefängnis durchliefen und denen Unrecht widerfahren ist. Mit der ersten gesamtdeutschen Friedensandacht im Kaßberg-Gefängnis, die zusammen von Pfarrer S. Brenner aus Chemnitz und Pfarrer R. Wagner aus dem Landkreis Gießen durchgeführt wird, wird überkonfessionell den politischen Häftlingen gedacht und ein aktueller Bezug hergestellt.

Diskussion: Das Projekt soll den Dialog innerhalb der Betroffenen und BürgerInnen, der Wissenschaftler und jüngeren Generation ermöglichen. Es bietet Raum für Erinnerungen, Fragen, Anregungen und Meinungen. Im Zuge der Podiumsdiskussion „Verklärt, vergessen, abgerissen?“  werden Lutz Rathenow (Sächs. Landesbeauftragter für Stasi-Unterlagen), Siegfried Reiprich (Geschäftsführer Stiftung Sächsische Gedenkstätten), Dr. Jeanette van Laak (Universität Gießen), Hanka Kliese (Mitglied des Landtags) und Maik Reinhard (Zeitzeuge) über die Repressionsvergangenheit und deren Bewältigung sowie die Nachnutzungsmöglichkeiten des Gebäudes informieren und diskutieren. Außerdem werden die ChemnitzerInnen die Möglichkeit erhalten, sich an der Gesprächsrunde zu beteiligen.